Politikfelder

Teilqualifikationen und Modularisierung

Teilqualifikationen und Modularisierung

Am 6./7. Februar 2020 diskutierte der Wissenschaftliche Beraterkreis der Gewerkschaften ver.di und IG Metall mit Prof. Dr. Euler über Module in der Berufsausbildung. Auch im Hinblick auf die Förderung von Inklusion kann das Modulkonzept aus Sicht von ver.di weiterhin nicht überzeugen. ver.di hat sich im Nachgang mit dessen Beitrag kritisch auseinandergesetzt und lehnt eine Modularisierung weiterhin ab.

Prof. Dieter Euler von der Universität Sankt Gallen stellt in seinem Beitrag „Zwischen stillen Veränderungen und lauten Widerständen“ seine Position zu Ausbildungsmodulen dem wissenschaftlichen Beraterkreis von ver.di und IG Metall vor. Zu seiner Beschreibung der Ausgangspunkte, wie z.B. Übergangsbereich, Segmentierung oder Heterogenität gab es wenig Anlass zur Diskussion. Anders dagegen bei der Beschreibung seiner Ansatzpunkte. Hier unterscheidet er zwischen Modellen die zum einen auf eine Flexibilisierung innerhalb bestehender Strukturen abzielen wie z.B. Fachrichtungen, Wahlqualifikationen oder Stufenausbildung und zum anderen Modelle, die nicht unmittelbar anschlussfähig an bestehende Strukturen sind, wie z.B. die Zerlegung von Ausbildungen in Ausbildungsbausteine.

In der anschließenden kontroversen Diskussion wurden vor allem Risiken, die mit einer weitergehenden Flexibilisierung der Berufsausbildung durch Ausbildungsbausteine einhergehen, diskutiert. Aus Sicht von ver.di konnten grundlegenden Fragen zum Nutzen von Ausbildungsmodulen durch den Vortrag und die anschließende Diskussion von Prof. Euler nicht geklärt werden.

Nach wie vor liegt die Marktmacht im Ausbildungssektor bei den Arbeitgebern. Sie entscheiden welche Ausbildungsplätze sie anbieten und an wen sie diese Plätze vergeben. Finden sich nicht die dem Arbeitgeber passenden Auszubildenden für die dreijährige Ausbildung, so kann er sich bei einem gleichzeitig bestehenden Angebot an Modulen für die Ausbildung heraussuchen, was gerade gebraucht wird. Weniger „passende“ Auszubildende werden eingestellt ohne die Verantwortung zu übernehmen, sie zu einem Ausbildungsabschluss zu führen. Die Garantie, dass anhand der Module der vollständige Beruf erlernt wird, besteht nicht.

Ausbildungsmodule anzubieten für einen Übergang in die vollständige Ausbildung für Menschen, die tatsächlich aufgrund von schlechten schulischen Leistungen oder ähnlichen Dingen die sie benachteiligen, keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, sind nur sinnvoll, wenn dabei das Individuum gesehen wird. (individuelle Begleitung, Coaching). Zudem muss sichergestellt sein, dass alle Kompetenzen, die für die zukünftige berufliche Handlungskompetenz notwendig sind, auch vermittelt werden. Dies bezieht sich insbesondere auf personale Kompetenzen, wie z.B. Team- und Konfliktfähigkeit oder Selbstlernkompetenz, die nicht in zeitlich abgegrenzten Modulen vermittelt werden können sondern für die ein kontinuierlicher betrieblicher Lernprozess notwendig ist.

Hier kann es sinnvoll sein in diesem Bereich des Übergangs Module anzubieten, die später auch auf die Ausbildung angerechnet werden können. Hier gibt es auch bereits die unterschiedlichsten Modelle in den Ländern.

Die Notwendigkeit Ausbildung in einzelne Module zu zerlegen besteht nach wie vor nicht. Der Wert der bestehenden Ausbildungsberufe ist es, dass Auszubildende sich systematisch ein Fundament an Wissen für ihre Domäne aneignen und in der Lage sind, sich selbstständig innerhalb der Arbeits- und Geschäftsprozesse neues Wissen zu erschließen.

Uta Kupfer/Dr. Roman Jaich