Berufsbildungspolitik

Diskussionsprozess über Standards beruflicher Bildung im Gesundheitsbereich

Diskussionsprozess über Standards beruflicher Bildung im Gesundheitsbereich

Die Gesundheits- und Pflegeberufe stehen vor der großen Herausforderung, ihr eigenes berufliches Verständnis weiter zu entwickeln. Unter Druck geraten die Branchen durch Diskussionsstränge, die einerseits auf eine "Akademisierung" der Ausbildung abzielen, andererseits auf kurze Bildungsgänge wie Assistenzberufe oder noch kleinteiligere Bildungsmodule. Nach wie vor fehlt im Gesundheitssektor eine "strategische Berufsbildungspolitik". Vor diesem Hintergrund ist zu prüfen, ob das für die dualen Ausbildungsberufe leitende Prinzip der Beruflichkeit auf die sozialen Dienstleistungen übertragbar ist und welche Anpassungen damit gegebenenfalls verbunden sind.

Während das Prinzip der Beruflichkeit in der dualen Berufsausbildung (noch) weitgehend verankert ist, erfolgt die Organisation der Ausbildung in den Gesundheits- und Pflegeberufen auf grundsätzlich andere Weise. Den gesetzlichen Rahmen bildet hier mit wenigen Ausnahmen nicht ein bundeseinheitliches Berufsbildungsgesetz, sondern durch Berufszulassungsgesetze und eine Vielzahl landesrechtlicher Regelungen. Die Strukturen der Ausbildungen unterscheiden sich deutlich, manche orientieren sich stärker an den dualen Ausbildungsberufen, andere sind eher schulisch geprägt.

Das Konzept der Beruflichkeit zielt auf den Erhalt, den Ausbau und die Regulierung von beruflicher Bildung auf der gesetzlichen, tariflichen und betrieblichen Ebene. Darüber hinaus reklamiert es ein neues, erweitertes Verständnis im Hinblick auf die Lernorte der beruflichen Bildung. Beruflichkeit bedeutet auch die Verbindung von Theorie und Praxis und damit eine explizite didaktische und methodische Verzahnung der Lernorte. Weiter bedeutet Beruflichkeit die systematische Verzahnung von Aus- und Weiterbildung, die Perspektiven für die berufliche Entwicklung ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund hat ver.di einen Austausch mit Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Gesundheit und Berufspädagogik auf den Weg gebracht, um Perspektiven für die Ausgestaltung der beruflichen Bildung im Gesundheitsbereich zu entwickeln. Ein erster Austausch fand Anfang Oktober 2020 als webbasierte Konferenz statt.

Aus Perspektive von ver.di werden unter der gemeinsamen Klammer „Aufwertung der Gesundheitsfachberufe“ die Themen

  • "Kostenfreiheit der Ausbildung",
  • "Ausbildungsvergütung",
  • "Ausbildungsqualität“ und
  • "Digitalisierung“ (darunter wird mehr als nur rein technische Kompetenzen verstanden) sowie damit einhergehend die „Weiterentwicklung der Berufe“

bearbeitet. Zusätzlich soll es darüber hinaus um "Berufsbildungsforschung", "Versorgungsqualität", "Personalbemessung", "Fachkräftesicherung", "Beruflichkeit", "Durchlässigkeit" und "Bildungskarrieren" gehen.

In dem Austausch wurde klar, dass diese Themen auch in der wissenschaftlichen Arbeit Schwerpunkte darstellen. In der Diskussion um die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe, die kontrovers diskutiert wird, droht die berufliche Ausbildung aus dem Blick zu geraten. Es bestand Einvernehmen, dass dies nicht passieren darf. Auch in der Stärkung der Dualität in der Ausbildung wurden große Vorteile gesehen. Im Sinne der Durchlässigkeit sind auch informell erworbene Kompetenzen in den Blick zu nehmen. Zudem solle die Stärkung des Bundesinstituts für Berufsbildung auch im Gesundheitsbereich durch die Sozialpartner*innen und Wissenschaftler*innen gestärkt werden. Das Thema „Tarifierung“ soll in der gemeinsamen weiteren Arbeit ebenfalls Beachtung finden. Darüber hinaus spielt die Kompetenzmessung und die sozialpartnerschaftliche Entwicklung von Curricula eine bedeutende Rolle in der Diskussion um die Aufwertung der Heilberufe. Dies alles sind wichtige Voraussetzungen dafür, die Professionalität in den Gesundheitsfachberufen zu stärken.

Am Ende besteht die einhellige Auffassung den Diskussionsprozess fortzusetzen. Beim nächsten Austausch sollen "Standards guter beruflicher Bildung und Arbeit" im Fokus stehen.

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