Strategien

Digitalisierung für die berufliche Bildung

Digitalisierung für die berufliche Bildung

"Digitalisierung": Eine Welle wird propagiert, die unsere Gesellschaft von Grund auf wandelt. Viele prophezeien eine vollautomatisierte Welt voller Roboter, die mit Hilfe von Software in allen Gewerben übernehmen, schalten und walten. Doch so wie die Wellen am Strand in einer schier nie enden wollenden Kette aufeinanderfolgen, ist auch die Digitalisierung nur ein Wandel unter vielen. Automatisierung, Robotik, Software - die Wörter mit denen die Prophezeiung ausgeschmückt wird, sind keineswegs Erfindungen der 2010er Jahre. Dennoch, ein Wandel bringt Veränderung. Wie diese Veränderung in der Arbeitswelt aussieht, wie berufliche Bildung und Qualifizierung gestaltet werden, damit beschäftigte sich ein Workshop am 17. Mai 2018 zum Thema "Digitalisierung und Bildung".

Die Digitalisierung ist oft Modewort, viele verwenden es, die meisten bleiben es schuldig zu erklären, was genau sie unter dieser verstehen. Einige mögen schockiert sein, aber der große Wandel unserer Zeit ist letztlich nichts als die Industrialisierung der Branchen abseits des produzierenden Gewerbes, also eine fortlaufende Tendenz standardisierte Prozesse durch Maschinen zu automatisieren. Konkret ist es die Ausstattung der Arbeiter mit digitalen Werkzeugen, den sog. "digital devices". Sicherlich werden auch Arbeitsprozesse automatisiert, der Wegfall einer Teiltätigkeit ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem Wegfall eines ganzen Berufsbildes. So wäre es zum Beispiel möglich die Dokumentation im Pflegebereich zu digitalisieren, diese über die Sprache zu erbringen statt durch Schreibarbeit. Die Dokumentation an sich bleibt dennoch bestehen, sie würde nur komfortabler für den Arbeitnehmer werden und ihr oder ihm mehr Zeit für die eigentliche Aufgabe eines sozialen-interaktiven Berufes lassen. Die digitalen Werkzeuge verändern also den Prozess, nicht das Ziel der Arbeit an sich. Wie wir mit dieser Prozessveränderung umgehen, obliegt unserem Willen zur Gestaltung. Trennscharf muss man die Digitalisierung also abgrenzen zu dem Vorhaben über diese als Vorwand mehr und mehr Bereiche zu ökonomisieren. Was wir für Arbeit als wichtig erachten und wie wir diese ausführen, unterliegt unserer gesellschaftlichen Gestaltung. Gewinnmaximierung darf und kann nicht die oberste Maxime einer funktionierenden, lebenswerten Gesellschaft sein.

Worauf soll nun in der Ausbildung wert gelegt werden? Oder ist das Modell obsolet, sollten wir allen ein Studium nahelegen? Ganz klar, Nein! Der Abschluss einer Ausbildung qualifiziert weiterhin einen jeden, der dem Arbeitsmarkt selbstbewusst und unabhängig entgegentreten will. Eher sollte man die Frage aufwerfen, ob es nicht für eine horrende Anzahl der Bachelorabsolventen nicht zielführender gewesen wäre, hätten sie eine Ausbildung abgeschlossen. Denn ein Studium auf Bachelorniveau ist mit Nichten eine Höherqualifizierung. Um auch in Zukunft diesem Anspruch an die Qualifikation in der Ausbildung gerecht zu werden, muss darauf geachtet werden, dass Kernkompetenzen erhalten bleiben. Der Facharbeiter muss nach wie vor ein solides Grundwissen aufbringen und Verständnis zu Systemen und Anlagen besitzen, weil es seine Aufgabe ist im Störfall einzugreifen und den Fortlauf der Prozesse zu gewährleisten. Ferner muss man das große Feld der Daten in die Bildung mit einfließen lassen und Kompetenzen in Datensicherheit, -erfassung und -umgang lehren. Daneben ist es enorm wichtig einer Selbstausbeutung zuvorzukommen, welche durch eine vermeintliche Flexibilität entstehen kann. Daher sollte die Work-Life-Balance ein eigenes Feld in der Berufsausbildung erhalten, denn wir arbeiten um uns ein Leben zu ermöglichen, nicht andersherum.

Partizipieren wir also an der Realität und gestalten sie nach unseren Interessen und Bedürfnissen. Sehen wir den stetigen Wandel als Chance einzugreifen. Es ist an uns unsere Leben zu gestalten. Überlassen wir düstere Prophezeiungen und das Wahrsagen denen, die an der Gestaltung nicht teilhaben wollen. Gewerkschaftsarbeit agiert, wir nehmen teil an der Gestaltung. Wir sehen die Chance.

ver.di beschäftigt sich in mehreren Workshops mit dem Thema "Digitalisierung für die berufliche Bildung". Nachdem zunächst grundlegende Fragestellungen aufgerufen wurden, sollen sich die Diskussionen in den kommenden Workshops konkret auf eine Branche beziehen. Konzept der Workshopreihe ist, das die ver.di-Experten der beruflichen Aus- und Weiterbildung mit Wissenschaftlern diskutieren.