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Deutscher Qualifikationsrahmen

Deutscher Qualifikationsrahmen

Ab 2015 finden Kompetenzorientierung und Kompetenzverständnis des Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) verstärkt Eingang in die Ausbildungsordnungen.

Alle Ausbildungsordnungen, die ab 2015 neu geordnet oder novelliert werden, werden nicht mehr mit Berufsbildpositionen und Lernzielen beschrieben, sondern mit Handlungsfeldern strukturiert. Handlungsfelder bündeln inhaltlich zusammenhängende Kompetenzen, die sich an den für den jeweiligen Beruf relevanten Arbeits- und Geschäftsprozessen orientieren und die vollständige Handlung in diesem Feld beschreiben. Die Summe aller Handlungsfelder ergibt den Ausbildungsberuf.

 

Anerkennung der Gleichwertigkeit von Kompetenzen durch den Deutschen Qualifikationsrahmen?

Ausgangspunkt für den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) war die Empfehlung des Europäischen Parlaments und Rats zur Einrichtung des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR), die im April 2008 in Kraft trat.

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) könnte grundsätzlich ein Instrument für die Anerkennung der Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung sein, in dem in den traditionell gegeneinander abgeschotteten Teilen des Bildungssystems oder im Arbeitsleben erworbene Kompetenzen formal gleichgestellt werden. Der DQR soll neben der Förderung von Transparenz und Mobilität im europäischen Raum die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Sektoren des Bildungssystems und der Arbeitswelt verbessern, die geforderte Anerkennung der Gleichwertigkeit von allgemeiner, beruflicher und hochschulischer Bildung sowie institutioneller und informell erworbener Kompetenzen fördern. Sollte das europäische politische Projekt der Anerkennung außerhalb institutionalisierter Qualifikationsprozesse erworbener Kompetenzen gelingen, würden Steuerung und Orientierung des Systems der deutschen Berufsbildung wesentlich verändert. Die Risiken, aber auch die Chancen einer solchen Entwicklung sind kaum abzuschätzen, zumal die entsprechenden Mess-, Validierungs- und Anerkennungskonzepte bisher kaum entwickelt, geschweige denn fundiert und evaluiert sind. Bislang bleibt vor allem festzuhalten, dass die mit der Umgestaltung verbundene „Outcome-Orientierung“, der es um die Kompetenzen der Arbeitskräfte geht, ohne die Lernwege zu berücksichtigen, vorrangig auf Marktbedarfe, Beschäftigungsfähigkeit eben und nicht auf Chancengleichheit und Gleichwertigkeit ausrichten würde.

Grundsätzlich können Anerkennungsverfahren dazu beitragen, die wechselseitige Abschottung der Bildungs- und Berufsbildungsbereiche und ihre über Jahrhunderte entwickelten Berechtigungs-, Auslese- und Ausgrenzungsmechanismen zu durchbrechen, indem Schnittstellen zwischen den Bildungsbereichen und innerhalb der Bildungsbereiche als funktionsfähige Zu- und Übergänge gestaltet und anerkannt werden.

Nicht zu unterschätzen sind aber die Interessenkonflikte, die insbesondere dann manifest werden, wenn, wie vorgesehen, privatwirtschaftlich organisierte gleichwertig neben öffentlich verantwortete Validierungsverfahren treten. Das Eigeninteresse von Unternehmen, sich an der Validierung des Lernens ihrer Mitarbeiter zu beteiligen oder diese im Rahmen der Personalentwicklung selbstständig durchzuführen, steht von vornherein in einem Spannungsverhältnis, eher im Widerspruch zu den Interessen der Beschäftigten.

Die von der EU-Kommission forcierten Versuche der Vereinheitlichung eines Europäischen Berufsbildungssystems sind also höchst ambivalent und mit äußerster Aufmerksamkeit zu verfolgen – zumal sie dabei ihre Zuständigkeiten zwar nicht formal, wohl aber faktisch überschreitet und in ihrer neoliberalen Ausrichtung die Interessen der Arbeitgeber entgegen halbherzigen Bekenntnissen, die Interessen der arbeitenden Menschen einzubeziehen, deutlich favorisiert. Tatsächlich stößt die im Rahmen des Europäischen Qualifikationsrahmens verfolgte und im nationalen DQR umgesetzte Strategie noch auf vielfältige Umsetzungsschwierigkeiten.

Gibt es einen Text für Hintergrundinformationen?

JA! Das Handbuch zum Deutschen Qualifikationsrahmen – Struktur – Zuordnungen – Verfahren – Zuständigkeiten download unter www.dqr.de oder bestellen bei Gabriele Siebeck (E-Mail: gabriele.siebeck@verdi.de).