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Corona und Auszubildende (im Handel)

Corona und Auszubildende (im Handel)

21. April 2020 - Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Bildungsbereiche sind ähnlich, aber nicht identisch. Abhängig davon, inwieweit ein Bildungsbereich öffentlich erbracht wird, oder in welchem Umfang die Bildungsteilnehmer*innen über Erfahrungen mit selbstständiger Wissensaneignung verfügen, gibt es doch erhebliche Unterschiede. Wir lassen unterschiedliche Akteur*innen zu Wort kommen, um deren Situation zu schildern. Wir haben mit Robin Ewald, Auszubildender zum Kaufmann im Einzelhandel bei Marktkauf Rhein-Ruhr, gesprochen.

Lieber Robin, wie hat sich die Situation in deinem Ausbildungsbetrieb durch die Corona-Krise verändert?

"Die Situation bei uns im Betrieb ist deutlich angespannter, da wir die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs sicherstellen müssen. Auch das Kaufverhalten hat sich deutlich verändert. Wir erfahren einen höheren Absatz in verschiedenen Bereichen, z. B. bei Convenience-Produkten oder generell bei Konserven sowie bei Backwaren.

Viele Kolleg*innen im Betrieb hatten und haben auch eine große Angst sich zu infizieren. Gehofft wurde daher, dass Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden. Diese sind auf Anregung des Betriebsrates mittlerweile auch erfolgt. So wurden uns Einmalhandschuhe und Masken zur Verfügung gestellt, Plexiglasscheiben an den Kassen installiert, Sicherheitsabstände im Markt und in engen Bereichen wie der Kasse eingerichtet sowie Sicherheitspersonal zur Überprüfung der 'Einkaufswagenpflicht' engagiert."

Führt dies zu Veränderungen bei deiner Ausbildung, haben sich deine Tätigkeiten geändert und kann man überhaupt noch von Ausbildung sprechen?

"Ja, in der Tat haben sich meine Tätigkeiten geändert, da wir leider in vielen Bereichen benötigt werden indem momentan die Kapazitäten knapp sind. Das heißt für uns, dass wir öfter an den Kassen sitzen als sonst und einen großen Druck beim Einräumen der Ware haben, da wir dem großen Kundenansturm nur teilweise standhalten können. Von Ausbildung kann ich momentan nur sprechen, wenn ich mal eine ruhige Stunde habe und ich dort dann ausbildungsrelevante Inhalte erlernen kann."

Spielen die Themen „Verlängerung der Ausbildung wegen ausgefallener Prüfungen“ oder „Kurzarbeit für Auszubildende“ für dich oder andere im Ausbildungsbetrieb eine Rolle? Wie wird damit umgegangen?

"Aktuell sieht es nicht danach aus, dass unsere Ausbildung verlängert wird, da die örtliche Industrie- und Handelskammer unsere Prüfungen in den Monat Juni verschoben hat. Wie allerdings das Organisatorische aussieht kann ich leider nicht sagen, da wir neben unserer schriftlichen Prüfung auch noch eine fachpraktische Prüfung ablegen müssen. Da jedoch der Termin der schriftlichen Prüfung verschoben wurde, dies relativ nah an den Sommerferien, bin ich gespannt wie es mit der fachpraktischen Prüfung ausschaut, die in der Regel nach den schriftlichen Prüfungen stattfindet.

Von Kurzarbeit sind wir nicht betroffen, da wir in einem systemrelevanten Bereich tätig sind."

"Selbstverständlich ist für mich, dass es eine Freistellung für alle Auszubildende geben muss, um sich die Inhalte der Berufsschule anzueignen. Es kann nicht sein, dass viele Unternehmen es zurzeit ausnutzen die Auszubildenden arbeiten zu lassen und diese sich dann die Inhalte abends daheim erarbeiten müssen."

Robin Ewald

Weißt du schon, wie es an der Berufsschule weitergeht? Gibt es andere Formen und Möglichkeiten, sich den Lerninhalt anzueignen?

"Aktuell wissen wir nur das der Unterricht an den Berufsschulen entweder im Laufe der nächsten Woche oder Anfang Mai wieder anlaufen soll. Unsere Berufsschullehrer*innen stellen uns Aufgaben per Mail zur Verfügung, die wir dann zu bearbeiten haben. Bei uns im Betrieb bekommen wir dafür dann einen Tag pro Woche zur Verfügung gestellt, in der wir die Aufgaben erledigen müssen."

Welche Erwartungen hast du an die Arbeitgeber im Hinblick auf Ausbildung in der aktuellen Situation?

"Von den Arbeitgebern erwarte ich mir in diesen schwierigen Zeiten mehr Wertschätzung, da wir Auszubildende im Handel momentan erhebliches neben unserer Ausbildung leisten. Man darf ja nicht vergessen, dass wir aktuell einem Ausbildungsvertrag unterliegen und dementsprechend entlohnt werden, aber teilweise als ausgebildete Fachkräfte eingesetzt werden.

Selbstverständlich ist für mich, dass es eine Freistellung für alle Auszubildende geben muss, um sich die Inhalte der Berufsschule anzueignen. Es kann nicht sein, dass viele Unternehmen es zurzeit ausnutzen die Auszubildenden arbeiten zu lassen und diese sich dann die Inhalte abends daheim erarbeiten müssen. Dies gilt natürlich auch für die Vorbereitung auf die Prüfungen.

Zum Schluss ist mir aber noch eines wichtig: Mein Dank gilt allen Arbeitnehmer*innen, die momentan in dieser schwierigen Zeit in sämtlichen Lebensbereichen alles geben! Bleiben Sie gesund!"

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