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OECD veröffentlicht Bericht "Bildung auf einen Blick" 2020

OECD veröffentlicht Bericht "Bildung auf einen Blick" 2020

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am 8. September 2020 ihren jährlichen Bericht "Bildung auf einen Blick" vorgelegt. Er enthält Daten zum Aufbau, zur Finanzierung und zur Leistung der Bildungssysteme in OECD- und Partnerländern.

Der diesjährige Bericht ist von den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die unterschiedlichen Bildungsbereiche gekennzeichnet. Die Autor*innen merken an, dass die berufliche Bildung weiterhin eine Stärke des deutschen Bildungssystems ist und bei der Bewältigung der Pandemie eine Schlüsselrolle spielt.

Aufgezeigt wird auch, dass Deutschland weit weniger in Kitas, Schulen, Hochschulen und Weiterbildung investiert als der Durchschnitt der OECD-Staaten. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt liegt Deutschland bei den Bildungsausgaben im Primarbereich mit 0,7 % deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 1,5 % und im Tertiärbereich mit 0,7 % ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt von 1,0 %. Lediglich im Sekundarbereich liegen die Bildungsausgaben in Deutschland mit 2,1 % etwas über dem OECD-Durchschnitt von 1,9 %.

Hier zeigt sich, dass unser Bildungswesen immer noch chronisch unterfinanziert ist. Sichtbar wird dies bei maroden Schulen, fehlenden guten Ganztagsangeboten, fehlenden Lehrer*innen bei steigenden Schülerzahlen, fehlender Ausstattung für Bildung im digitalen Kontext ... - die Liste ließe sich beliebig erweitern.

Führend ist Deutschland im Bereich der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. So zeigen Untersuchungen, "dass es Ländern mit einem gut entwickelten und etablierten System der beruflichen Bildung, einschließlich dualer Ausbildungsgänge, besser gelungen ist, die Jugenderwerbslosigkeit in Grenzen zu halten und die vom Arbeitsmarkt geforderten Kompetenzen zur Verfügung zu stellen. [...] In qualitativ hochwertigen beruflichen Ausbildungssystemen ist die Kooperation mit Arbeitgebern von großer Bedeutung. Die in den entsprechenden Bildungsgängen vermittelten Kenntnisse sind an den Anforderungen des Arbeitsmarkts ausgerichtet, und die jungen Menschen erwerben auch allgemeine und übertragbare Kompetenzen."

In diesem Punkt hat sich die Berichterstattung der OECD im Zeitablauf deutlich verändert. Wurde Deutschland in den ersten Jahren der Berichterstattung noch regelmäßig dafür kritisiert, dass zu wenig junge Menschen nach der Schule ein Studium aufnehmen, wird seit einiger Zeit auch von der OECD anerkannt, dass die duale Berufsausbildung eine gleichwertige Alternative zu einem Studium darstellen kann. Die OECD sogar noch weiter: Die duale Berufsausbildung scheint im Vergleich zu anderen beruflichen Bildungsgängen auch besser geeignet, wirtschaftliche Krisen zu bewältigen. ver.di sieht sich daher in ihrer Position bestätigt, die duale Berufsausbildung zu stärken und setzt sich weiterhin dafür ein, die Attraktivität der Berufsausbildung weiter zu erhöhen.

Dennoch kann die Corona-Pandemie auch hier zu Problemen führen, denn das Angebot an Ausbildungsplätzen muss auch in dieser Zeit für alle Schulabgänger*innen stabil gehalten werden. Betriebe und Auszubildende brauchen Unterstützung damit Ausbildungsplätze auch in den nächsten Jahren bereitstehen und der Einstieg in Ausbildung gelingt. Denn, so heißt es im Bericht, weiter: "Die Kombination aus Lernen im Arbeitsumfeld und in einer Bildungseinrichtung bietet zahlreiche Vorteile: Die Auszubildenden erhalten eine Ausbildung, die praktisches und theoretisches Lernen kombiniert, und die Unternehmen profitieren, da die Ausbildung auf die Erfordernisse am Arbeitsplatz ausgerichtet werden kann und die Bildungsteilnehmer mit unternehmensspezifischen Verfahren vertraut werden. [...] In vielen Ländern wurde die berufliche Ausbildung jedoch in der bildungspolitischen Diskussion vernachlässigt und spielte nur eine untergeordnete Rolle, oft stand sie im Schatten der Betonung allgemeinbildender/akademischer Bildung."

ver.di fordert daher auch weiterhin, dass Bildung ein zentrales Thema bleiben und durch die Bundesregierung noch stärker in den Fokus gerückt werden muss.

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